
Es war ihr ergangen, wie es uns allen bisweilen ergeht: sie hatte den Faden verloren. Daraufhin war sie von Konrad dienstlich verschluckt und beim Mittagessen wieder von sich gegeben worden. So etwas verbindet natürlich. Jetzt kam sie gerade von einem Pläuschchen mit Jonas zurückgekrabbelt. Denn nur von Jonas fühlte sie sich wirklich verstanden. Er allein hatte erlebt, wie man sich fühlt, wenn man dienstlich verschluckt und wieder von sich gegeben wird.
Schachpartner gesucht
Zugleich spazierte der Hl. Karl über die Schäfchenwolken, immer der Riesennase nach. Auf einer Hand balancierte er ein Schachbrett mit aufgestellten Figuren. Das Engelchen, das ihm die lange rote Kardinalsschleppe trug, hatte er für heute entlassen. Er suchte jemand, mit dem er Schach spielen konnte. Dafür war er himmelweit gefürchtet. Konrad bemerkte ihn erst, als es zu spät war. „Konrad, Kollege in Heiligkeit! Wie wäre es mit einer Partie? Du kannst auch die weißen Figuren haben!“, rief Karl. Seufzend willigte Konrad ein und Amanda krabbelte auf seine Schulter. Nach den ersten Zügen meinte Konrad: „Gibt’s was Neues aus unserem Ems?“ „Mein Hut liegt immer noch dort, und jetzt kann ich ihn nicht mehr holen – Alarmanlage …. Aber sonst habe ich die Besuche in der Gegend in guter Erinnerung, und Schwesterchen Hortensia hat den mitgebrachten Parmesan sehr geschätzt. Es ist halt schon b’sundrig, zu so einer alten Familie zu gehören. Übrigens: das war’s dann wohl mit deinem Turm.“ Sprach´s und ließ den Läufer über das Schachbrett rauschen. „Büeble“, erwiderte Konrad, dem der Verlust des Turmes sehr missfiel, „Büeble, komm du mir nicht mit Alter. Erstens bin ich auf Erden älter geworden als du, und zweitens gut 600 Jahre vor dir geboren. Ich habe als Bub den Bauleuten Wasser in meinem Taschentuch zur Baustelle der Burg Alt Ems getragen und nicht Delikatessen aus Italien importiert. Und was den Turm betrifft, der ist futsch. Aber: Schach!“ Der Hl. Karl schluckte kurz. Zu Lebzeiten hätte er, ein Kardinal, sich diesen Ton von einem Bischof nicht bieten lassen. Aber seine Demut setzte sich schließlich durch; nicht umsonst war „Humilitas“ das Motto in seinem Wappen. Und außerdem musste er seinen König retten.
Remis
„Lass das!“, kicherte Konrad zu Amanda, die ihm beifällig am Ohr gekitzelt hatte. Nach dem der Hl. Karl seinen König durch einen kühnen Rösselsprung, der ihn immer an die Ritterturniere seiner Zeit erinnerte, gesichert hatte, frage er: „Wie war das eigentlich, als du im Jahre 962 in Rom bei der Krönung von Kaiser Otto dabei warst?“ „Prachtvoll“, erwiderte Konrad, „genau wie dein Einzug als Erzbischof von Mailand. Hab’s ja von hier oben angesehen. Logenplatz auf Wolke 17.“ Der Hl. Karl kratzte sich an der Spitze seiner Nase, die über das halbe Schachbrett ragte, und musste dann doch sagen: „Übrigens, meine Kirche in Ems ist älter.“ „Dafür ist meine moderner.“, gab Konrad keck zurück. „Bei mir gab’s ein Ehejubiläum.“ „Bei mir auch.“ „Und einen Krankentag.“ „Bei mir auch.“ Konrad überblickte die Figuren und fragte milde: „Remis?“ „Va bene“, lächelte der Hl. Karl, „War ja nur ein Scherz.“
Hl. Karl und Hl. Konrad: Bittet für uns!
Herzliche Einladung
Ostermontag, 06. April 2026 um 09.30 Uhr Pfarrkirche St. Karl
Messfeier mitgestaltet von Chor „Joy“
Im Anschluss Agape im Pfarrheim St. Karl